© Ruhr Nachrichten, 27. August 2019

 

Wie eine einzige Person 

 

Wenn sie nicht schon verheiratet wären, würden wir ihnen das dringend empfehlen. Denn zumindest musikalisch war beim Duo Joncol höchstes Glück garantiert. Besser kann man nicht zusammenspielen. Zum Abschluss der Sythener Gitarrentage entführten Britta Schmitt und Carles Guisado ihre Zuhörer auf eine Reise durch die spanische Musik. Dabei zeigten sie, wie beeindruckend eng zwei Musiker zu einem gemeinsamen Klang verschmelzen können.

Es gibt Duos, die ihren Klang eher wie einen spontanen Dialog zwischen zwei Persönlichkeiten entstehen lassen. Das können die Joncols natürlich auch an den passenden Stellen. Aber ihnen gelang die viel schwierigere Aufgabe, einen Gesamtklang so sorgfältig zusammen zu setzen und farblich so fein abzustimmen, dass er wie von einer Person gespielt wirkte. Dass die dann auch noch quicklebendig zu den Hörern spricht, ist höchste Kunst.

Die Übereinstimmung war dabei in vielen Bereichen enorm hoch: Schnelle Läufe und die vielen, so wichtigen kleinen Zäsuren liefen erstaunlich präzise parallel. Ein gemeinsames musikalisches Atmen. Mit Tempoveränderungen, die hier ungemein leicht und selbstverständlich erschienen. Beide sind sehr variabel, zupfen oft mit weichen, kurzen und abgedämpften Klängen. Sie erschaffen damit eine Einheit, in der die Rollenverteilung oft gleich bleibt. Schmitt übernimmt häufiger die Melodie, Guisado ist oft für die Basslinie und die Akkorde zuständig. Es könnte nicht besser funktionieren.  

Besonders deutlich wurde es bei einigen der „Escenas romanticas“ von Enrique Granados. Den rückte das Duo stilistisch in die Romantik. Nicht nur im „Epilogo“, dessen zarte Melodie weit über den begleitenden leisen Arpeggien lag, wirkte es so, als würde die rechte und die linke Hand eines einzigen Pianisten spielen. Im Original sind die Stücke von Granados für Klavier entstanden, genau wie die Werke von Isaac Albéniz. Aber natürlich sind dort so viele spanische Gitarrenelemente verarbeitet, dass die Rückübertragung problemlos funktioniert.

In anderen Konzerten tritt das Duo zusammen mit einem Perkussionisten und einer Sängerin auf. Diese musikalischen Inhalte zeigen sie aber auch alleine. Guisado singt dabei die typischen Flamencolinien noch etwas intensiver, etwa in der Einleitung des „Danza del Molinero“ von Manuel de Falla. Britta Schmitt ist allerdings musikalisch schon weit mehr als eine Halb-Spanierin.

Die Bewegung von Musik wurde auch sonst zum wichtigen Inhalt. Nicht nur wegen der Verbindung zum Tanz. Guisado findet überall im Leben Rhythmus und interpretiert ihn als Tanz. Auch den ersten Herzschlag ihrer Tochter, den er in einer eigenen Komposition verarbeitete. Beide nutzten die Gitarre auch als Perkussionsinstrument, wie in „Jongo“ von Paulo Bellinati, Musik, zu der man auch Capoeira tanzen könnte. Den breiten Spagat zwischen diesem mitreißenden musikalischen Feuer und der zerbrechlichen Poesie in „Agua e vino“ von Egberto Gismonti meistern nicht viele Duos so überzeugend. Man sollte längst mehr von ihnen gehört haben.  Klaus Lipinski

 

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