© Ruhr Nachrichten, 13. August 2019

 

Einer der besten Gitarristen der Welt

 

Am Sonntagnachmittag fand das zweite Konzert der diesjährigen Sythener Gitarrentage statt und wer von den Besuchern des Vormittagskonzerts geglaubt haben mochte, dieser hochkarätige Genuss sei nicht zu übertreffen, der wurde durch den Auftritt von Jorge Caballero eines Besseren belehrt. Der aus Lima stammende weltberühmte Gitarrist, der in New York studiert hat, hatte sein Programm mit dem Titel „Bilder einer Ausstellung“ überschrieben, jenem überaus populären, ursprünglich für Klavier komponierten Werk von Modest Mussorgsky (1839-1881), das den meisten Musikfreunden eher in der 1922 von Maurice Ravel orchestrierten Fassung im Ohr sein dürfte.

Wie Dr. Horstfried Masthoff in seinen Begrüßungsworten ausführte, präsentierte Jorge Caballero eine Transkription der ursprünglichen Klavierfassung des japanischen Gitarristen Kazuhito Yamashita (* 1961), die weltweit wohl nur von diesem selbst und eben Caballero beherrscht würde. Und es grenzte für Gitarrenliebhaber und -kenner tatsächlich an Zauberei, mit welcher Fülle verschiedenster Techniken Caballero die Illusion zu erwecken vermochte, mit einer ganzen Palette der verschiedensten Instrumente die „Bilder einer Ausstellung“ zu illustrieren, und nicht nur mit einer Gitarre und ihren lediglich sechs Saiten. Dabei wirkte sein Spiel immer konzentriert und ernsthaft, aber völlig mühelos.

Auf diesen ohne Zweifel denkwürdigen Höhepunkt des Konzerts waren die Zuhörer vor der Pause mit einer Bearbeitung von Claude Debussys (1862-1918) „Children‘s Corner“ sowie durch zwei Werke von Johann Sebastian Bach (1685-1750), einem Präludium und Fuge aus dem „Wohltemperierten Klavier“ sowie der „Chromatischen Fantasie und Fuge“ (BWV 903) vorbereitet worden, die Jorge Caballero anstelle der im Programm vermerkten Werke von Joaquin Turina ausgewählt hatte. In der Debussy-Bearbeitung begeisterte die feine Ausarbeitung der unterschiedlichen Charaktere der sechs Sätze, vom „Doctor Gradus ad Parnassum“ bis hin zum fetzigen  “Golliwogg‘s cake-walk“, während die Bachinterpretationen die Zuhörer staunen ließen, mit welcher unprätentiösen Virtuosität und gleichzeitig unübertrefflichen musikalischen Einfühlung Jorge Caballero diese in ihrer Mehrstimmigkeit nun wahrlich höchst anspruchsvollen Kompositionen auf der Gitarre erklingen ließ.

So war es kein Wunder, dass nach diesem sicherlich außergewöhnlichen Programm, dargeboten von einem der weltweit besten Gitarristen, die Zuhörer begeistert stehend applaudierten und so noch eine Zugabe geschenkt bekamen, das Stück „Cordoba“ op.234, Nr. 4 von Isaac Albéniz.  Heidi Siegel

 

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