© Ruhr Nachrichten, 13. August 2018

 

Filigran und mit tänzerischer Leichtigkeit

 

 

Sie kam direkt aus Budapest, wohin sie auch am Sonntagnachmittag schon wieder zurückflog: Borbála Seres bestritt das erste Konzert der diesjährigen Sythener Gitarrentage. Sie riss das Publikum schon vor der Pause von den Sitzen.

 

Die 34-jährige Ungarin hat sich nicht nur durch zahlreiche Lehraufträge, sondern vor allem durch eine umfangreiche Konzerttätigkeit als Solistin einen Namen gemacht. Sie brachte ein anspruchsvolles Programm mit nach Sythen, unter anderem mit Kompositionen von Mauro Giuliani (1781 – 1829) und Fernando Sor (1778 - 1839). „Beide Komponisten haben dazu beigetragen, die Gitarre als Soloinstrument in die Konzertsäle zu bringen“, sagte Dr. Horstfried Masthoff zu Beginn des Konzerts bei der Begrüßung. „Deshalb freue ich mich besonders, dass ihre Werke heute hier zu hören sind.“ Das Instrument Gitarre zu fördern und seine vielfältigen Möglichkeiten der Öffentlichkeit bekannter zu machen - das war auch der Antrieb, der Horstfried Masthoff veranlasste, die Sythener Gitarrentage ins Leben zu rufen. Sie finden seit genau 10 Jahren im Schloss Sythen statt. „Es gab zwei Vorläuferveranstaltungen, dann entwickelte ich das Konzept der Konzerte in Kombination mit einem Picknick, bzw. später Speisen und Getränken aus dem Restaurant Pfeiffers Sythener Flora“, so Dr. Horstfried Masthoff. Das Image der Gitarre sei angekratzt gewesen; seit der Jugendbewegung Anfang des 20. Jahrhundert sei das Instrument mehr als die „Klampfe“ im Sinne der Lagerfeuerromantik verstanden worden. Dieses Image zu ersetzen, dazu tragen die Gitarrentage seit zehn Jahren bei, wofür der Förderverein und die Rentnerband des Schlosses sich bei der Kulturstiftung Masthoff bedankten.

 

Borbála Seres untermauerte die These eindrucksvoll, dass die Gitarre ein kleines Orchester sein kann: Ihr feinfühliges und filigranes, manchmal in sich gekehrtes Spiel kontrastierte immer wieder mit tänzerischer Leichtigkeit und kraftvollen Passagen. Dabei spannte sie den Bogen von der Klassik bis in die Neuzeit. Das Publikum honorierte ihre künstlerische Leistung mit Standing Ovations. Ein spannender Auftakt der diesjährigen Gitarrentage, der neugierig macht auf die folgenden Konzerte.  Jürgen Wolter

 

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