© Ruhr Nachrichten, 29. August  2017

 

Ganz und gar Spanisch

 

“Homenaje – Segovia und das Goldene Zeitalter der spanischen Gitarre” so lautete der Titel des Vormittagskonzerts des zweiten Aufführungstages der diesjährigen Sythener Gitarrentage. Mit der Einladung von Tristan Angenendt, einem in einer Vielzahl von Wettbewerben erfolgreichen Künstler und “Meisterschüler” des Kölner Gitarrenprofessors Hubert Käppel, hatte Veranstalter Horstfried Masthoff eine überaus gelungene Wahl getroffen, bekam doch das wie immer zahlreich erschienene Publikum Musik für Gitarre solo vom Feinsten geboten.

Der Künstler eröffnete sein Konzert mit einem Werk des spanischen Komponisten Manuel de Falla (1876-1946). Er gestaltete das um 1920 entstandene kurze Stück sehr ausdrucksstark, mit guter Dynamik und bester Technik. Wie Tristan Angenendt in einer seiner informativen kleinen Einführungen darlegte, handelte es sich beim nächsten Werk, einer von Segovia in Auftrag gegebenen „Sonata romantica“ von Manuel Maria Ponce (1882-1948) um eine Hommage an Franz Schubert, was nicht nur in der traditionellen Sonatenform zum Ausdruck kam, sondern auch in den eingängigen und dabei unprätentiösen Themen der vier Sätze. Sein souveränes Können niemals in den Vordergrund stellend verstand es der Gitarrist meisterhaft, dem zwischen schlichten Melodien und virtuosen Zugriff fordernden Passagen changierenden Werk Glanz zu verleihen.

Als letztes Stück vor der Pause erklang die berühmte Chaconne aus der Partita Nr. 2 BWV 1004 von Johann Sebastian Bach, die sich in ihrer gewagten Harmonik und kunstvollen Mehrstimmigkeit wunderbar für den Vortrag auf der Gitarre eignet, obgleich sie ursprünglich für Solovioline komponiert ist. Neben der sicheren Virtuosität wusste Angenendt hier vor allem auch durch die Wahl stets passender Tempi zu gefallen.

Nach der Pause ging es dann mit Ausschnitten aus der „Suite espanola“, op. 47 von Isaac Albéniz (1860-1909) ganz und gar spanisch weiter, stellen doch die gewählten, sehr populären Sätze Nr. 3 und 5 - Sevilla und Asturias - gewissermaßen den Inbegriff spanischer Gitarrenmusik dar. Auch für den meisterhaften Vortrag der folgende Sonata in D-Dur op. 61 von Joaquín Turina (1882-1949) spendete das Publikum dem ebenso ernsthaften wie begeisternden Künstler anhaltenden Beifall.

Das Konzert fand seinen krönenden Abschluss in einer Hommage an den Violinvirtuosen Paganini, ein „Capriccio diabolico“ op. 85 des italienischen Komponisten Mario Castelnuovo-Tedesco (1895-1968), in dem Tristan Angenendt noch einmal in mühelos wirkender Selbstverständlichkeit die Anforderungen des Stückes meisterte. Mit einer Zugabe von Villa-Lobos bedankte er sich für den Applaus. Heidi Siegel

 

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