© Ruhr Nachrichten, 14. August  2017

 

Carmen und Tango

 

Mit einer furiosen Vorstellung, betitelt mit: „Carmen, die Fledermaus und der Tango“, eröffnete das Arie Duo - das sind Anita Farkas aus Ungarn und Juan Carlos Arancibia Navarro aus Peru - die diesjährigen Sythener Gitarrentage. Das interessant gestaltete Programm begann mit der „Fantaisie Brillante“ des Komponisten Francois Borne (1862-1929) über ein Thema aus der Oper Carmen, in der die Flöte in sehr einfühlsamem Zusammenspiel mit der Gitarre wahrhaft brillieren konnte, wozu die eingängigen Melodien der von Bizet komponierten Oper auch wie geschaffen erschienen. In den folgenden, auch auf eine Oper, diesmal die „Die Zauberflöte“, bezugnehmenden Variationen des Komponisten Fernando Sor (1778-1839) für Gitarre solo konnte dann Navarro solistisch glänzen. Nach getragenem Beginn erklangen die in sehr differenzierter Dynamik vorgetragenen, teils überaus virtuosen Variationen der Melodie „Das klingt so herrlich“ dergestalt, dass wohl auch Mozart selbst sich daran erfreut hätte.

 Vor der Pause entführten die Künstler das Publikum mit der „Histoire du Tango“ des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla (1921-1992) nicht nur in die Geschichte des Tangos, sondern auch an die Orte, an denen er wohl erklungen ist und wahrscheinlich immer noch erklingt. Zu Beginn etwas aggressiv, mit Klopfen auf dem Gitarrenkorpus auch perkussiv, dann eher lasziv die bekannte Tangomelodie mit der Gitarre aufgreifend, gab sich der erste Satz, „Bordel 1900“, gefolgt von „Café 1930“, bei dem das anfängliche, melancholische Gitarrensolo, gefolgt von impressionistisch gefärbter Flöte durchaus den Eindruck eines einsamen Cafébesuchers erwecken konnte. Im „Nightclub 1960“ ging es dann lebhafter zu, dem entsprach das gut aufeinander abgestimmte Zusammenspiel von Gitarre und Flöte, die sich hier auch erweiterter Spieltechniken bediente. Und im letzten Satz – überschrieben mit „Concert d’aujourdhui“ - konnte man den Einbruch der Moderne schon deutlich spüren, wie übrigens auch spürbar war, dass dieses Werk im Original für diese Besetzung komponiert worden war.

Nach der Pause erklang als Uraufführung ein vom Londoner Komponisten Alan Thomas (*1967) dem Arie Duo gewidmetes Werk, „Fantasy on Themes from „Die Fledermaus““, das in origineller Weise die wohlbekannten Melodien aufgriff und den Künstlern Raum zur Präsentation ihrer Fähigkeiten bot. Die „Suite Buenos Aires“ des Komponisten Máximo Diego Pujol (*1957) nahm die Zuhörer wieder mit auf eine Tango-Reise, diesmal in verschiedene Stadtviertel der Großstadt. So bot sich „Pompeya“ temperamentvoll und voller Dynamik an, unterbrochen von lyrisch-zarten Gitarrenpassagen. Während „Palermo“ sehr ruhig und friedvoll schien. In „San Telmo“ überwogen dann, neben einigen melodischen Passagen, die rhythmisch-perkussiven Elemente und das temperamentvoll Tänzerische.

Einen der Höhepunkte des Konzerts stellten Ausschnitte aus der von Daniel Alomía Robles (1871-1942) komponierten Zarzuela „El Cóndor Pasa“ dar. Der peruanische Komponist bezog sich in seinem Werk auf das traurige Los der Minenarbeiter in den Anden – ein Thema von durchaus aktueller Brisanz. Juan Carlos Arancibia Navarro interpretierte die bekannte Melodie gefühlvoll und sehr virtuos und betonte ihren teils traurigen Charakter, während in einem aggressiver klingenden Abschnitt eher die Rhythmik im Vordergrund stand.

Zum Schluss und den Kreis schließend, erklang eine weitere Carmen Fantasie, diesmal die bekannte Version des Geigenvirtuosen Pablo de Sarasate (1844-1908), die sich das Arie Duo in einer eigenen Bearbeitung auf ihre Instrumente zugeschnitten hatte und in der die harmonische Zusammenarbeit, aber auch die hochvirtuose Könnerschaft jedes einzelnen Künstlers noch einmal in aller Fülle zum Ausdruck kam. Mit einer Zugabe bedankten sich die Musiker bei ihrem begeisterten Publikum. Heidi Siegel

 

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