© Ruhr Nachrichten, 04. August 2015

 

Ein perfektes Duo

 

Wenn sie nicht auch schon privat ein Paar wären, man müsste ihnen genau das empfehlen. Denn Katrin Klingeberg und Sebastián Montes bilden ein in jeder Hinsicht erstaunliches Duo. „Gitarrenduo KM“ nennen sie sich, leben und lehren mittlerweile in Chile, und kennen sich daher bestens mit dem Repertoire des Abends im Sythener Schloss aus. Bei den dortigen Gitarrentagen führten die beiden am Sonntagabend ihre Hörer auf eine musikalische Rundreise durch Südamerika: Brasilien und Argentinien, aber auch Bolivien, Venezuela und natürlich Chile.

 

Ein perfekteres Duo im kammermusikalischen Sinn kann man sich kaum vorstellen. Die beiden setzen ihren gemeinsamen Klang so sensibel zusammen, dass die Illusion eines einzigen großen Instruments entsteht. Ein Pianist oder guter Dirigent würde den Klang auch nicht anders und besser ausbalancieren, als sie es gemeinsam auf zwölf Saiten machten.

 

Das gilt für das Präludium aus Villa-Lobos „Bachianas Brasileiras Nr. 4“ genau so wie für die Holzbläsermelodien aus Arturo Marquez „Danzon Nr. 2“ oder die hohen Flageoletts, die in Sergio Assads „Farewell“ strahlend hell über der Begleitung aufleuchteten. Wenn es überhaupt leichte Unterschiede gab, dann spielte Klingeberg an diesem Abend die deutlicher betont singenden Linien, während Montes bei Zäsuren das Tempo stärker veränderte und fast zum Stehen brachte.

 

Oft sind es Originale für Klavier oder Orchester, die die beiden zum großen Teil selbst so farbig und ideenreich auf zwei  Gitarren übertragen haben, dass man sie auch für reine Gitarrenwerke halten könnte, etwa Piazzollas Oblivion, Libertango und Escolaso. Nur ein Duo, das diese Tänze auch zusammen tanzen könnte, spielt sie auch so wunderbar zusammen. Die rhythmische Struktur prägte zwar den gesamten Klang, etwa die Clave-Rhythmen, sie dominierte aber nicht die Stimmung. Auch nicht, wenn die Musik sehr lebendig wurde. Nur gelegentlich nutzten die beiden Perkussionseffekte des Holzes, etwa in Piazzollas Escolaso.

 

Denn südamerikanische Musik ist viel mehr als das rhythmische Feuerwerk, das oft ausschließlich mit ihr verbunden wird. Deswegen zeigten die beiden vor allem eine andere Seite: Lichtdurchflutet strahlt die Musik ein Zufriedenheit mit dem Moment aus. Wie jemand, der irgendwo in einer schönen Landschaft sitzt. Mit dem Leben zufrieden, sanft bewegt im Spiel der Natur. So kann man Glück beschreiben und klingen lassen.

 

Nur sehr selten spielen Kammermusikformationen komplett auswendig. Den meisten Musikern ist es zu riskant, weil sie nicht wie ein Solist flexibel reagieren können, wenn etwas passiert. Klingeberg und Montes wagen es über das ganze Konzert und erreichen damit ein ganz anderes Niveau des Zusammenspiels. Als ob sie nicht nacherzählen, sondern mit der Freiheit einer persönlicheren Aussage ihre eigenen Geschichten schreiben.   Klaus Lipinski

 

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